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TEIL 2

Nieder mit den Alpen – freie Sicht auf’s Mittelmeer

Dezember 1980 – Frühling 1986

AJZ
Tessinerplatz
Stauffacher
Karthago

Das AJZ wurde geöffnet, um beim erstbesten Vorwand gleich wieder geschlossen zu werden. Aehnlich wie der Bunker 1971. Doch dieses Mal ist die Bewegung stärker und erzwingt die Wiedereröffnung – wenigstens für ein Jahr. Das AJZ scheitert an der Ansammlung der städtischen Sozialprobleme und den eigenen Konflikten – zurück bleiben stark traumatisierte Erinnerungen, die vor allem geprägt sind von der Ohnmacht gegenüber Dealern und der städtischen Drogenpolitik.
Auch nach dem Abriss des AJZ geht das Ringen um Lebensräume weiter. Am Tessinerplatz und vor allem am Stauffacher wird mit viel Phantasie versucht, die Umgestaltung ganzer Quartierteile zu verhindern.

Der Tessinerplatz beim Bahnhof Enge ist heute umgeben von modernen Grossbauten. Bis in die 70er Jahre formten grossbürgerliche Wohnhäuser und zahlreiche Kleingewerbler ein dorfähnliches Bild. Die Häuser an der Venedigstrasse standen an der südlichen Seite des Platzes, das Häusergeviert an der Lavaterstrasse lag dem Bahnhofsgebäude gegenüber. Die Bewohner wehrten sich mit allen juristischen Mitteln. Zum Schluss gestalteten Dutzende von Künstlern die Häuser als Kunstobjekt und schenkten diese dem Kunsthaus Zürich – ein Kunstwerk sollte doch späteren Generationen erhalten bleiben.

Die Geschichte der Häuser am Stauffacher dürfte weit über Zürich hinaus bekannt sein. Ueber zehn Jahre (von 1980 bis 1990) zog sich der Versuch breiter Kreise aus dem Quartier hin, den geplanten Abriss des ‚Tors zu Aussersihl’ mit allen Mitteln zu verhindern. Die phantasievollen, frechen, witzigen und militanten Aktionen machten diesen Kampf legendär. Wenig ist als Film oder Foto festgehalten: So z.B. die Besetzung der Barronata im Tessin, die Massenbesetzung des ‚Stauffis’ anfang 84: 83 BesetzerInnen lebten 10 Tage hinter den Barrikaden in den oberen Stockwerken – versorgt von der Spuntengruppe ‚Levante’. Nicht zu vergessen die erste Rap-Tanzdemos in Zürich kurz vor der Räumung.
Diese gemeinsame Zeit war sehr wichtig für die weitere Entwicklung der Häuserbewegung: Hier lernten sich viele Personen kennen, hier liegen neben den Häusern am Tessinerplatz die Wurzeln des Dreiecks und des Netzes.

Auch nach der Räumung der Badenerstrasse 2 bleibt es am Stauffacher nicht ruhig. Aus einem breiten, phantasievollen Widerstand entsteht ‚Karthago am Stauffacher’. Eine ernstgemeinte Lebensutopie, die sich stark am Buch ‚Bolo Bolo’ von P.M. orientiert. Am  Stauffacher soll eine erste Duftmarke gesetzt werden.

Zitat aus der  Selbstdarstellung des Netzes am Radio Lora, Oktober 1986
"Das ist insofern wichtig, als dass wir – wie die Geschichte des zürcher Häuserkampfes zeigt - dass wir eigentlich immer verloren haben und dass wir darum auch dazu kommen müssten, Ideen an diesen Häusern festzumachen, die nicht mit den Häusern selber fallen. Das heisst, dass wenn der Abbruchhammer diese Häuser kaputt macht, auch das Leben, das in diesen Häusern stattgefunden hat und diese Personen, die dort zusammengekommen sind und was sie an Phantasien dort entwickelt haben, dass das nicht mit dem Bauschutt abtransportiert wird, sondern dass es irgendwo weitergehen kann.“