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TEIL 4

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1988

IG Kreis 5
Froschsyndikat  
Città frontale
Cafe Meyer
Grüne Oase
Arge Platzspitz

1988 ist äusserlich eher ein ruhiges Jahr. Die Nachwehen der Annaburg-Besetzung wirken bei den AktivistInnen bis in den Herbst nach.
Doch hinter den Kulissen geschieht einiges:

Nach jahrelanger Treibjagd der Junkies die Limmat rauf und runter dulden die städtischen Behörden, dass sich die Drogen-Szene hinter dem Landesmuseum niederlässt. Aus den Augen aus dem Sinn. Am Platzspitz festigt sich die Vermischung von harten und weichen Drogen. Die drei Eingänge werden durch die Dealer kontrolliert. An allen gibt es Sugar und Koki, auch wenn die Haschgasse vor allem beim Sihlquai ist.
Am Platzspitz organisieren sich Junkies und KifferInnen gegen die zunehmende Polizei-Repression und gründen das ‚Frosch-Syndikat’ – unterstützt von Leuten aus den Häusern. Das im Herbst während fast einen Monat besetzte Cafe Meyer an der Limmatstrasse 28 übernimmt dabei eine wichtige Scharnierfunktion.
Die gesundheitliche Situation am Platzspitz eskaliert und im Herbst erklären GassenarbeiterInnen der ZAGYP zusammen mit dem Roten Kreuz den Notstand und schreiten zur Nothilfe. Ueber die weihnachtlichen Feiertage wird mit einem Zelt die Isolation durchbrochen, Personen aus allen Bereichen betreiben diesen zehntägigen Treffpunkt mitten im Platzspitz. Die Aktion mündet in die Gründung der ‚Arge Platzspitz’ – ein breiter Zusammenschluss von Jung und Alt mit dem Ziel, eine grundsätzliche Aenderung der städtischen Drogenpolitik zu erreichen.

Aus dem Flugblatt zur Aktion
«Weihnachten 88 am Platzspitz
Um die Trennung zwischen Normalen und Süchtigen für einmal aufzuheben, um das Platzspitz-Ghetto wenigstens kurzfristig zu durchbrechen, um den Obdachlosen und FixerInnen zumindest über die sogenannten Festtage einen warmen Ort mit Essen und Musik zur Verfügung zu stellen,
errichtet die ‚AG Weihnachten am Platzspitz’ genau dort ein Zelt.
Kein Festzelt mit Festprogramm, sondern ein geheizter Ort, wo vieles möglich sein wird:
Essen, Trinken, zusammensitzen, rumhängen.
Zudem haben verschiedene KünstlerInnen zugesagt, im Zelt aufzutreten.
Ein Ort für alle, die sonst im Schnee stehen würden.
Aufmerksamkeit schenken – nicht nur zu Weihnachten
Wir bekämpfen das Drogenelend. Aber nicht die Betroffenen. Sie gehören zu uns.»

Grossprojekte im Kreis 5 – HB-Südwest, Bührle-Projekt bei der Wohlgroth-Fabrik – lösen eine breite Gegenmobilisierung aus: Die IG Kreis 5 wird gegründet. Die Stadtentwicklung wird nun innerhalb der Szene mit einem breiteren Blickwinkel betrachtet. Das Ssenter for applied urbanism  (SAU) leistet dazu wichtige theoretische Grundlagenarbeit.

Die IG Kreis 5 wird von QuartierbewohnerInnen gegründet, um die sich Mitte der achtziger Jahre  abzeichnende Zerstörung des Quartiers zu verhindern: Das Wohnquartier droht zwischen der expandierenden City und dem Ausbau des Nationalstrassen- und Eisenbahnnetzes zerrieben zu werden. Die VertreterInnen der IG Kreis 5 können mit ihrer fundierten Kritik an der Stadtentwicklung und vielfältigen Aktionen und Festen auf einen grossen Rückhalt im Quartier zählen. Das eine oder andere Projekt kann gestoppt oder bis heute verhindert werden, doch die Umwandlung des Kreises in ein trendiges Yuppie-Quartier können  sie nicht aufhalten.